Eine islamische Theologie europäischer Prägung als Integrationsinstrument im 21. Jahrhundert

Von: Khalid El Abdaoui und Michael Kramer

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Handlungsempfehlungen

  1. Aufbau von Ausbildungsmöglichkeiten für Imame, SeelsorgerInnen und islamische ReligionslehrerInnen in den europäischen Staaten.
  2. Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Vernetzung universitärer islamischer Einrichtungen in Europa zur Entwicklung einer islamischen Theologie europäischer Prägung.
  3. Förderung eines “Islams europäischer Prägung” ohne ausländische kulturelle und politische Einflüsse als wichtiger Integrationsfaktor.

Zusammenfassung

Um die gegenwärtigen Bedrohungen radikal-islamistischer sowie demokratiefeindlich-salafistischer Gruppierungen langfristig abwehren zu können, müssen einerseits die Erfahrungen einzelner europäischer Länder hinsichtlich der Ausbildung und Lehre der islamischen Theologie aufgegriffen und auf europäischer Ebene institutionalisiert werden. Andererseits muss die Erarbeitung zukunftsfähiger Konzepte zur Integration des Islams in Europa die Realitäten des 21. Jahrhunderts berücksichtigen und klassische Vorstellungen kritisch hinterfragen, um einen “Islam mit europäischer Prägung” ohne äußeren kulturellen oder politischen Einflüssen entstehen zu lassen. Denn aus den bisherigen Schwierigkeiten und Mängeln, sowohl inhaltlicher als auch organisatorischer Natur, müssen die nötigen Lehren gezogen werden, um ein stimmiges dynamisches Ausbildungsmodell auf der Basis einer islamischen Theologie europäischer Prägung zu entwickeln und dem islamischen Religionsunterricht, sowie der religiösen Bildung insgesamt, die Rolle der Integration zuzuweisen.

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Eine islamische Theologie europäischer Prägung als Integrationsinstrument im 21. Jahrhundert

Die gegenwärtige Problematik mit der Wahrnehmung des Islams

Die öffentlichen Islam-Debatten in Europa sind gezeichnet von Burka- und Burkini-Verbot, dem Minarett-Verbot, dem Verbot der Auslandsfinanzierung islamischer Organisationen, der Aufregung über islamische Kindergärten oder eben dem islamistischen Terror, der bis auf wenige EinzeltäterInnen zumeist von politischen Organisationen und Netzwerken ausgeht.

Derartige islamistische bzw. politisch motivierte Gruppierungen im extremistischen Spektrum sind global aktiv und prägen die öffentliche Wahrnehmung des Islams, dessen mediale Aufmerksamkeit in erster Linie die oben genannten salafistisch-dschihadistischen und exklusivistisch positionierten Gruppierungen genießen. So titelte Die Welt im April dieses Jahres „Ein Drittel der IS-Kämpfer ist zurück in Europa“[1]. Diese Angabe ist nach dem österreichischen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung (BVT) richtig und umso mehr besorgniserregend (Abb. Foreign Fighters in Österreich)[2], als gerade von diesen Personen Rekrutierungsaktivitäten ausgehen.

Abbildung 1: Foreign Fighters in Österreich

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Quelle: BMI, Bericht BVT 2015, 25; Siehe: http://www.bmi.gv.at/cms/bmi_verfassungsschutz/

Hier ergibt sich im Besonderen die Gefahr eines von der Mehrheitsgesellschaft abgeschotteten Milieus, welches die Werte und Normen liberaler demokratischer Gesellschaften ablehnt. Nicht nur europäische Islam-ExpertInnen und -WissenschaftlerInnen sondern auch viele reformorientierte MuslimInnen erkennen diesbezüglich die Hauptursache in einer rückwärtsgewandten und extremistischen Theologie, die sowohl die gesellschaftliche Integration von MuslimInnen als auch das friedliche Zusammenleben aller BürgerInnen Europas erschwert.

Mit der demografischen Entwicklung Europas – das Pew-Research Center schätzt einen Anstieg von Personen mit islamischem Glaubensbekenntnis von 5,1 % im Jahr 2000 auf 7.8 % der europäischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2030[3] – gewinnt der Islam überall in Europa an Bedeutung, weshalb sich viele EuropäerInnen zu recht die Frage stellen dürfen, wie MuslimInnen in ihren jeweiligen Gesellschaften in Europa besser integriert werden können und welcher Islam bzw. welche islamische Theologie in Europa ihre Berechtigung hat und welche nicht.

Eine islamische Theologie europäischer Prägung als Integrationsinstrument

Vor dem Hintergrund dieser Kurzanalyse über die Herausforderungen des Islams und der MuslimInnen in Europa ist für eine funktionierende Integration der MuslimInnen in Europa ein wechselseitiger Integrationsprozess notwendig, der sowohl Anstrengungen seitens der Mehrheitsgesellschaft als auch der zugezogenen muslimischen MigrantInnen erfordert. Begreift die Mehrheitsgesellschaft die Integration als umfassende gesellschaftliche Teilhabe und entwickelt ein Verständnis für das kulturelle und religiöse Anderssein ihrer muslimischen MitbürgerInnen, kann dies besonders das Zugehörigkeitsgefühl vieler hier aufgewachsener muslimischer Jugendlicher fördern und das Gefühl, als gleichberechtigtes Gesellschaftsmitglied respektiert und angenommen zu werden, stärken. Dies muss nicht im Umkehrschluss heißen, dass ihre muslimische Identität als Hindernis betrachtet wird. Daneben muss die muslimische Minderheit bestimmte Integrationsleistungen erbringen, zu der unter anderem die Entwicklung innovativer theologischer Antworten bezüglich einer muslimisch-europäischen Identität gehört.


Diese Realität erfordert dringend seitens der islamischen Theologie in Europa die Erarbeitung von neuen Konzepten, die die Realitäten des 21. Jahrhunderts berücksichtigen und klassische Vorstellungen und Haltungen kritisch hinterfragen, um einen ‘Islam mit europäischer Prägung’ entstehen zu lassen.

Es geht dabei um nicht weniger als die Zukunft des Islams in Europa, in der die MuslimInnen der nächsten Generation laut demographischen Prognosen einen beachtlichen Zuwachs erfahren werden (s.o.). Diese Realität erfordert dringend seitens der islamischen Theologie in Europa die Erarbeitung von neuen Konzepten, die die Realitäten des 21. Jahrhunderts berücksichtigen und klassische Vorstellungen und Haltungen kritisch hinterfragen, um einen ‘Islam mit europäischer Prägung’ entstehen zu lassen. Dabei sollte vor allem der Umgang mit den beiden wichtigen normgebenden Quellen des Islams, dem Koran und der prophetischen Überlieferung (sunna), überdacht werden. Die kontextlose und ahistorische Betrachtung dieser beiden Quellen führte sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart oft zur Rechtfertigung von gesellschaftlichem oder machtpolitischem Missbrauch. Eine Kontextualisierung bedeutet nicht im Geringsten an den Säulen des islamischen Glaubens zu rütteln, wie das Hardliner der Gemeinde vor allem den Jugendlichen gern vermitteln. Es heißt vielmehr, die Religion der MuslimInnen von ihren historischen und kontextuell bedingten gewachsenen Interpretationen zu befreien, die besonders das Zusammenleben in religiös und kulturell heterogenen Gesellschaften Europas erschweren. Diese plurale Realität der Umwelt anzuerkennen und neben der eigenen Wahrheit auch wertzuschätzen, bildet eines der wichtigen Fundamente, auf dem sich eine muslimisch-europäische Identität entwickeln kann[4]. Die Auseinandersetzung mit all diesen Herausforderungen sollte die Islamische Theologie als bekenntnisgebundene neue Disziplin an europäischen Universitäten energisch und auf Basis schon vorhandener, jedoch bisher nicht gebündelter Ansätze vorantreiben.

Bei ihrer Institutionalisierung an staatlichen europäischen Universitäten stellt sich jedoch die Frage nach den rechtlichen Rahmenbedingungen. Letztere lassen sich aus den jeweiligen religionsrechtlichen Systemen europäischer Staaten ableiten, die sich hinsichtlich der Kooperationsform zwischen den Religionsgemeinschaften und dem Staat bezüglich der Ausbildung und Vermittlung religiöser Lehren an öffentlichen Bildungsinstitutionen unterscheiden.

Staat und Religion in Europa: die religionsrechtlichen Systeme

Grundsätzlich finden sich in Europa drei idealtypische Grundtypen religionsrechtlicher Systeme[5], die das Verhältnis zwischen dem Staat und den Religionen bestimmen:

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Diese systematische Unterteilung ist aber in der heutigen Religionswissenschaft dahingehend zu relativieren, dass es sich hierbei um Idealtypen handelt, deren spezifische (nationalstaatliche) Ausgestaltungen sich vermehrt in Übergangs- bzw Mischformen wiederfinden.[6] Sie verlieren zunehmend ihre Ordnungskraft und taugen heute eher als „emotional getönte Erinnerungstopoi“, die den Blick auf faktische Entwicklungen und Problemlagen verstellen, da sich die Staatlichkeit durch die Schaffung der Europäischen Union und die religionsdemographischen Entwicklungen verändert haben. Heute tritt die individuelle und kollektive religiöse Entfaltungsfreiheit in den Vordergrund, die vor allem durch die europäische Integrationsarbeit und die Internationalisierung des Menschenrechtsschutzes beeinflusst wird und zur Konvergenz der genannten Systeme beiträgt.[7] Grundsätzlich hat jedes dieser Systeme einen Einfluss auf die Frage der Institutionalisierung eines islamisch-theologischen Studiums bzw einer derartigen Ausbildung an öffentlichen Institutionen.

MuslimInnen in Europa erkannten die Notwendigkeit einer theologischen Ausbildung bereits in den 80er Jahren, so dass erste Initiativen auf privater Ebene ergriffen wurden. Diese brachten allerdings im Laufe der Zeit Probleme in den Bereichen der Finanzierung, Akkreditierung und der Anerkennung der Abschlüsse mit sich. Zudem ergaben sich Schwierigkeiten durch inhaltliche Einflussnahme seitens der einzelnen Stifter und der Herkunftsländer der Dachverbände.

Status quo in Europa (Universitäten): Theologische Ausbildungsmodelle

Ein Trend zur Akademisierung der islamisch-theologischen Ausbildung ist inzwischen deutlich zu beobachten: private Initiativen werden zunehmend von staatlichen Angeboten ergänzt. Zahlreiche sowohl staatliche als auch private Universitäten bzw. Institutionen haben bereits erste Schritte in Richtung Etablierung einer islamischen Theologie an europäischen Universitäten unternommen. Der Prozess der Etablierung einer islamischen Theologie und entsprechender Ausbildungsstätten in Europa befindet sich bis dato noch in der Anfangsphase.[8] Aufgrund des hohen Anteils von MuslimInnen und der fortgeschrittenen Debatte um die islamisch-theologische Ausbildung verdienen vor allem die Entwicklungen in Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Österreich Beachtung. Die einzelnen Länder bieten aufgrund ihrer divergierenden Staatssysteme verschiedene theologische Ausbildungsmodelle an staatlichen und privaten Institutionen an.[9]

Belgien

In Belgien sind die drei Regionen Brüssel, Wallonien und Flandern für den Bereich der Bildungspolitik zuständig.[10] Mit Ausnahme eines einzigen Lehrgangs an der katholischen Universität Löwen (UCL) gibt es keine islamisch-theologische Ausbildung an einer staatlich anerkannten Universität in Belgien. Das interdisziplinäre Forschungszentrum über den „Islam in der Gegenwart“ (CISMOC) an der UCL bietet seit 2007 den Lehrgang „Sciences religieuses et sociales: Islam dans le monde Contemporain“. Der Lehrgang hat einen Umfang von 15 ECTS mit drei Schwerpunkten:

  • Islamische Wissenschaften: Qurʾān- und Ḥadithwissenschaften, Exegese, islamische Ethik und Rechtswissenschaften;
  • Geschichte, Rechts- und Sozialwissenschaft: Ideengeschichte des Islam, Religion und Recht in Europa;
  • Religionsgeschichte und vergleichende Religionswissenschaft;

Das Weiterbildungsprogramm richtet sich vor allem an zukünftige islamische ReligionslehrerInnen, Imame und SeelsorgerInnen, die mindestens über einen ersten universitären Abschluss verfügen.[11] Die Notwendigkeit einer universitären islamisch-theologischen Ausbildung in Belgien wurde in den letzten Jahren seitens der Politik erkannt.[12] Aufgrund der Abwesenheit eines seriösen Ansprechpartners auf Seiten der islamischen Religionsgemeinschaft konnte ein solches Vorhaben jedoch bis jetzt nicht verwirklicht werden.

Niederlande

Imame in den Niederlanden kamen lange Zeit stets aus dem Ausland, also aus den Herkunftsländern der jeweiligen Gemeinden. Ein wichtiger Schritt wurde 1986 erreicht, als muslimische Gelehrte denselben Status erhielten wie Priester und Rabbiner.[13] Imame und SeelsorgerInnen arbeiten derzeit in Moscheegemeinden, Gefängnissen, Krankenhäusern und beim Militär und verfügen durch die Ausübung dieser Berufe meist über ein ausreichendes Einkommen. Die Etablierung einer vollwertigen Imame-Ausbildung in den Niederlanden wurde seit den 1980er Jahren angedacht und in den folgenden Jahren konkretisiert, nachdem 1994 deutlich wurde, dass auch die muslimische Bevölkerung Interesse an einer solchen Ausbildung zeigte. Aufgrund der Neutralität des Staates ist dieser nicht befugt, eine religiöse Ausbildung selbst zu initiieren und musste deshalb auf Anfragen seitens der Universitäten und islamischen Gemeinschaften warten. Bereits ein Jahr später konnte die erste universitäre Imame-Ausbildung in den Niederlanden beginnen.[14] Folgende drei Universitäten begannen entsprechende Programme zu entwickeln und anzubieten: Vrije Universiteit Amsterdam (VU), Universität Leiden und Inholland University of Applied Sciences.

Deutschland

Die Forderungen nach Lehrstühlen für Islam, für islamische Religionslehre und islamische Religionspädagogik in Deutschland wurden bereits Anfang der 1980er Jahre gestellt. Anlass für diese Forderung war die Diskussion um die Einführung des islamischen Religionsunterrichts (IRU) auf Grundlage des Grundgesetzes und die sich daraus ableitenden Gedanken über die Ausbildung von muslimischen ReligionslehrerInnen. Die Diskussion, die sich zuerst auf die Ausbildung von IRU-LehrerInnen beschränkt hatte, weitete sich im letzten Jahrzehnt auf die Ausbildung von Imamen und SeelsorgerInnen aus. Der Fakt, dass der Bedarf an Imamen bisher überwiegend durch die Moscheevereine selbst oder die Herkunftsländer gedeckt wurde, schien immer problematischer. Die Forderung nach deutschsprachig ausgebildeten Imamen wurde sowohl von der Politik als auch vom größten Teil der MuslimInnen geäußert. Das Thema rückte ins Zentrum des politischen Interesses und wurde auch vom Wissenschaftsrat[15] aufgegriffen, der Empfehlungen zur Einführung bekenntnisorientierter islamischer Studien an deutschen Universitäten im Jahre 2010 gab. Basierend auf der Empfehlung des Wissenschaftsrates wurden zwischen 2010 und 2012 vier Standorte als Zentren für Islamische Theologie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewählt: Münster/Osnabrück, Tübingen, Frankfurt/Gießen und Nürnberg-Erlangen.[16]

Österreich

Die rechtlich besonders günstige Stellung des Islams, nicht zuletzt durch das Kooperationssystem, zeigt sich darin, dass in Österreich bereits im Schuljahr 1982/83 islamischer Religionsunterricht als Schulfach eingeführt werden konnte. Eine Errungenschaft, die aufgrund diverser Probleme in vielen anderen westeuropäischen Ländern bislang noch nicht realisiert werden konnte.[17] Die Lehrenden des Fachs werden an der 1998 gegründeten Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) seit 2007 im Rahmen des Master-Studiengangs „Islamische Religionspädagogik“ (IRP) an der Universität Wien ausgebildet[18] und seit 2014 auch im Rahmen des Bachelor-Studiengangs „Islamische Religionspädagogik“ (IRP) an der Universität Innsbruck. Im Februar 2015 wurde das aus dem Jahr 1912 stammende Islam-Gesetz novelliert bzw. in eine neue Fassung gebracht. Im neuen Gesetz wurde neben dem Verbot der Finanzierung und des Einsatzes von Imamen aus dem Ausland auch der Fahrplan für ein islamisch-theologisches Studium an der Universität Wien festgelegt. Da Imame in österreichischen Moscheen an den österreichischen Universitäten ausgebildet werden sollten, entstanden 2016 sechs Lehrstühle für die neue Fakultät für Islamische Theologie an der Universität Wien.

Fazit

Die Heterogenität der europäischen Modelle gründet sich vor allem auf die unterschiedlichen Verlaufsformen der Entwicklung des Verhältnisses von Staat und Religion, sowie der Geschichte und der Repräsentation der MuslimInnen im jeweiligen Land. Die angestrebten gesellschaftspolitischen Ziele zur Integration des Islams in den einzelnen Ländern wirken sich auch auf die Strukturierung der Ausbildungsmodelle aus. Das Kooperationssystem bietet dafür die besten Voraussetzungen für die Etablierung einer Islamischen Theologie auf einem öffentlich-akademischen Niveau. Dies vor allem deshalb, weil dieses System die Möglichkeiten einer engen Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften hinsichtlich einer religiösen Bildung erlaubt. Angesichts einer Wiedererstarkung der Religionen stehen die anderen Systeme hingegen vor einem Dilemma: entweder die „strikte“ Trennung von Staat und Religion oder die Entwicklung von Parallelgesellschaften und privaten Strukturen im Bildungsbereich. Letztere, im Hinblick auf die Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen, zeigen die damit verbundenen Gefahren bezüglich der Weitervermittlung einer rückwärtsgewandten-radikalen Theologie. Das Beispiel Niederlande (s.o.) belegt jedoch, dass trotz eines starken laizstischen Trennungsystems der Staat Initiativen und Maßnahmen ergreifen kann, um eine islamisch-theologische Ausbildung an öffentlichen Bildungseinrichtungen zu ermöglichen.

Aufgrund der Divergenz rechtlicher Ausgestaltungen des Religionsunterrichts, der theologischen Ausbildung von LehrerInnen und Imamen sowie der offiziellen Repräsentation der MuslimInnen innerhalb Europas, sind in Bezug auf die oben genannten Empfehlungen die nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen der einzelnen europäischen Staaten weiter anzugleichen. Unabhängig davon, müsste der Rat der Europäischen Union für Wissenschaft die Weichen für die Vernetzung universitärer Forschungseinrichtungen zur Entwicklung einer islamischen Theologie europäischer Prägung für eine gemeinsame islamisch-theologische Ausbildung für ReligionslehrerInnen, Imame und SeelsorgerInnen legen, um einen Islam europäischer Prägung nicht nur in Worthülsen zu verpacken sondern praxisbezogen zu fördern. Diese Bemühungen wären nicht nur zur Prävention genannter Gefahren sondern darüber hinaus als Integrationsmechanismen äußerst dienlich, um die religiöse Identität mit der gesellschaftlichen Identität in einer europäisch-pluralistischen Alltagskultur zu vereinen.

Fußnoten

[1] Die Welt, Ein Drittel der IS-Kämpfer ist zurück in Europa, 02.04.2016.

[2] BMI, Bericht BVT 2015, 25; Siehe: http://www.bmi.gv.at/cms/bmi_verfassungsschutz/.

[3] Pew Research Center, http://www.pewforum.org/interactives/muslim-population-graphic/.

[4] Siehe dazu den Artikel in „Die Presse“ vom 21.05.2015: Ednan Aslan über die Grundlagen eines Islams europäischer Prägung: http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/4735808/Die-Grundlagen-eines-Islam-europaeischer-Praegung.

[5] Potz Richard/Schinkele Brigitte, Religionsrecht im Überblick, 2007, 139 f.; Robbers Gerhard, Die Konvergenz der religionsrechtlichen Systeme in Europa, in Praktische Theologie, 2014, Vol. 49 (2), 107.

[6] Potz Richard/Schinkele Brigitte, Religionsrecht im Überblick, 2007, 140.

[7] Ebda.

[8] Aslan Ednan. Islamische Theologie in Österreich – Institutionalisierung der Ausbildung von Imamen Seelsorgerinnen und Theologinnen, (Wiener Islamstudien) 2012, 29.

[9] Ebda, 72.

[10] Berge Frank/Grasse Frank Alexander, Föderalismus in Belgien: vom Bundesstaat zum Staatenbund?, 2004: www.kas.de/wf/doc/kas_5069-544-1-30.pdf?040727102804.

[11] Cismoc (Centre interdisciplinaire d’études de l’Islam dans le monde contemporain): https://www.uclouvain.be/cismoc.html.

[12] Husson Jean-François, Pour une formation des imams en Belgique, 2006, 13-16: https://orbi.ulg.ac.be/bitstream/2268/89986/1/PUB_1580_Formation_imams.pdf.

[13] Ghadban Ralph. Reaktionen auf muslimische Zuwanderung in Europa, in Politik und Zeitgeschichte, 2003, 32.

[14] Ghaly Mohammed M., The Academic Training of Imams – Recent Discussions and Initiatives in the Netherlands, in Drees Willem B./Van Koningsveld Pieter Sjoerd (Eds.), The Study of Religion and the Training of Muslim Clergy in Europe, 2008, 371.

[15] Der Wissenschaftsrat ist das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, das die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in allen Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs berät.

[16] Bundesministerium für Bildung und Forschung, Zentren für Islamische Theologie in Deutschland, 2012: www.bmbf.de/de/15619.php.

[17] Leimgruber Stephan, Muslime in Österreich, in Idriz Benjamin/Leimgruber Stefan/Wimmer Stefan Jakob, Islam mit europäischem Gesicht – Perspektiven und Impulse, 2010, 39.

[18] Ebda, 45.

Über die Autoren

Khalid El Abdaoui, geb. 1973. Dr. Phil. 2013-2016 Promotion am Fachbereich Islamische Religionspädagogik an der Universität Wien.
Zwischen 2011 und 2012 arbeitete er dort als wissenschaftlicher Projekt-Mitarbeiter und wirkte dabei an der Erstellung eines Konzeptes für eine zukünftige islamisch-theologische Fakultät in Österreich mit.

Kontakt: khalid.elabdaoui@univie.ac.at

Michael Kramer studierte Rechtswissenschaften in Graz, spezialisierte sich anschlie­ßend auf islamisches Recht. Er ist seit 2015 Projektkoordinator von „Citizenship Educa­tion and Islam“ (http://ceai.univie.ac.at/) und seit 2016 PhD-Student im Bereich „Interdis­ciplinary Legal Studies“.

Kontakt: michael.kramer@univie.ac.at

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Artikelbeschreibung

ISSN 2305-2635

Die Ansichten, die in dieser Publikation zum Ausdruck kommen, stimmen nicht unbedingt mit jenen der ÖGfE oder jenen der Organisation, für die die Autoren arbeiten, überein.

Schlagwörter

Islam, Europa, islamische Theologie, islamischer Religionsunterricht, universitäre Vernetzung

Zitation

El Abdaoui, K., Kramer, M. (2017). Eine islamische Theologie europäischer Prägung als Integrationsinstrument im 21. Jahrhundert. Wien. ÖGfE Policy Brief, 01’2017

2017-09-15T17:19:42+00:00 11. Januar, 2017|