25 Jahre nach dem EU-Beitritt ist eine überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher dafür, dass unser Land Mitglied der Union bleibt. Trotzdem sind die Befragten durchaus kritisch, was die derzeitige Verfasstheit und Funktionsweise der EU betrifft. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE).

75 Prozent der ÖsterreicherInnen sagen im Dezember 2019, dass unser Land Mitglied der EU bleiben soll. 8 Prozent plädieren für einen Austritt aus der Union. 17 Prozent beziehen keine Stellung. [Nähere Infos dazu finden Sie hier]

34 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union vertieft werden sollte. Dies ist ein geringerer Wert als bei früheren Vergleichsumfragen: So sprachen sich im November/Dezember 2012 noch 49 Prozent für eine Vertiefung aus, im November 2014 waren es 42 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist jedoch die Zahl jener, die eine verringerte Kooperation wollen, praktisch konstant geblieben (2012: 20 Prozent / 2014: 23 Prozent / 2019: 21 Prozent). Vielmehr halten heute mehr Befragte das aktuelle Ausmaß der Zusammenarbeit in der EU für „gerade richtig“ als dies bei den vorherigen Messungen der Fall war (2012: 27 Prozent / 2014: 26 Prozent / 2019: 32 Prozent). Die Zahl jener, die zu dieser Frage nicht Stellung nehmen können, ist in den letzten sieben Jahren um 8 Prozentpunkte gestiegen.

Eine Aufnahme der Länder des Westbalkans steht für die ÖsterreicherInnen, wenn es um die Zukunft der Union geht, derzeit nicht an erster Stelle der Prioritätenliste. 52 Prozent geben an, dass sie solch eine neue Erweiterung der EU für „nicht wichtig“ halten, auch wenn die betreffenden Länder die Bedingungen für einen EU-Beitritt erfüllen würden. 24 Prozent halten eine Integration der südosteuropäischen Länder hingegen für „wichtig“, ebenso viele können sich zu dieser Frage jedoch keine Meinung bilden.

63 Prozent der Befragten bewerten die Europäische Union aktuell für sich als „schwach“, 37 Prozent sehen sie als „stark“. Das Urteil der ÖsterreicherInnen ist somit negativer, als dies noch vor fünf Jahren der Fall war. Damals hatten 57 Prozent die EU als „schwach“ gesehen und 43 Prozent als „stark“.

Hingegen wird die Union heute häufiger als „sicher“ empfunden – aktuell äußern sich 58 Prozent der Befragten in diesem Sinn, während es 2014 noch 47 Prozent waren. Die Zahl jener, die die EU als „unsicher“ sehen, ist im selben Zeitraum von 53 auf 42 Prozent zurückgegangen.

Nur leichte Bewegung gibt es bei zwei weiteren Gegensatzpaaren:

So ist die Zahl jener, die die EU für „sozial“ halten, von 60 auf 56 Prozent zurückgegangen. Für 44 Prozent ist die Union „unsozial“, im Jahr 2014 waren es 40 Prozent.

63 Prozent empfanden die Union im Jahr 2014 als „demokratisch“, aktuell sind es 59 Prozent. 37 Prozent sahen sie als „undemokratisch“, heute geben dies 41 Prozent an.

Die aktuelle Umfrage wurde von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft vom 25. November bis 6. Dezember 2019 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt (Tel SWS 288). Befragt wurden österreichweit 519 Personen per Telefon (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahre/Gewichtung nach Geschlecht, Alter und Bildung). Maximale Schwankungsbreite ca. +/- 4,3 Prozent. Fehlende Werte auf 100 Prozent = „weiß nicht/Keine Angabe“. Differenz auf 100 Prozent aufgrund gerundeter Werte.  Vergleichsumfrage: Tel SWS 222, November 2014, N=1004.