Die Corona-Krise stellt nicht zuletzt den Zusammenhalt auf EU-Ebene auf die Probe. Vier von zehn ÖsterreicherInnen fürchten, dass dieser aufgrund der aktuellen Situation schwächer wird. Im Gegenzug befürwortet eine Mehrheit die Aussetzung der EU-Defizitregeln, eine Übertragung von Zuständigkeiten im Bereich der Gesundheitspolitik auf europäische Ebene trifft auf ein geteiltes Meinungsbild. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE).

39 Prozent der Befragten gehen in der vom 27. bis 31. März durchgeführten Online-Umfrage davon aus, dass die aktuelle Krise den Zusammenhalt innerhalb der EU „eher schwächen“ wird, während 16 Prozent eine Stärkung annehmen. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) meint, dass sich „im Großen und Ganzen nichts ändern wird“, ein gutes Zehntel (11 Prozent) bezieht zu dieser Frage nicht Stellung. Männer zeigen sich in diesem Punkt skeptischer als Frauen und prognostizieren zu 45 Prozent eine Schwächung des EU-Zusammenhalts. Weibliche Befragte nehmen dies nur zu 34 Prozent an.

41 Prozent der Befragten würden es für „sinnvoll“ halten, dass die EU im Bereich der Gesundheitspolitik zusätzliche Kompetenzen erhält, „um grenzüberschreitende Maßnahmen zur besseren Abwehr gesundheitlicher Risiken und Gefahren setzen zu können“. 42 Prozent halten dies hingegen für „nicht sinnvoll“. Nahezu ein Fünftel (17 Prozent) kann diese Frage nicht beurteilen. Auch in dieser Frage zeigen sich Unterschiede im Meinungsbild von Frauen und Männern: Während 47 Prozent der Männer eine solche Kompetenzverschiebung für nicht sinnvoll erachten, liegt die Zahl der Skeptikerinnen bei 37 Prozent.

Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) halten es für eine „sinnvolle Maßnahme“ der Union, die Haushalts- und Defizitregeln für die Mitgliedstaaten für die Zeit der Corona-Krise außer Kraft zu setzen, um ihre Wirtschaft zu stützen. Etwas mehr als ein Zehntel (12 Prozent) zieht diese Maßnahme hingegen in Zweifel, 14 Prozent antworten „weiß nicht“ oder machen keine Angabe. Mit höherem Alter steigt die Zustimmung zu diesem Schritt kontinuierlich an: Von 71 Prozent bei den 14 bis 29-Jährigen auf 80 Prozent bei den 60 bis 75-Jährigen.

Für 30 Prozent der ÖsterreicherInnen ist es angesichts der aktuellen Corona-Krise eher ein „Vorteil“, dass unser Land Mitglied der Europäischen Union ist. 17 Prozent sehen darin eher einen „Nachteil“. Für 43 Prozent der ÖsterreicherInnen macht es in dieser Frage „keinen Unterschied“, ob unser Land EU-Mitglied ist oder nicht (11 Prozent „weiß nicht / Keine Angabe“). Wiederum sind Männer vergleichsweise skeptisch und sehen die heimische EU-Mitgliedschaft in der gegenwärtigen Situation häufiger als Nachteil (22 Prozent) als dies bei Frauen der Fall ist (12 Prozent).

Die aktuelle Umfrage wurde von marketagent.com in der Zeit von 27. bis 31. März 2020 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 500 Personen online (CAWI – Computer Assisted Web Interviewing), repräsentativ für die österreichische Bevölkerung im Alter von 14 bis 75 Jahre. Maximale Schwankungsbreite ca. +/- 4,4 Prozent. Differenz auf 100 Prozent aufgrund gerundeter Werte.