Die vergangenen Jahre waren auf europäischer Ebene geprägt von tiefgreifenden politischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen und aufeinanderfolgenden, teils sich überschneidenden Krisenszenarien. Finanz- und Wirtschaftskrise, der Umgang mit Flucht- und Migrationsbewegungen sowie die aktuell alles beherrschende Covid-19-Pandemie machen die tiefe globale Vernetzung, aber auch die Verletzlichkeit von Gesellschaften deutlich. Globalisierung, Digitalisierung und eine allumfassende Informationsgesellschaft bedeuten auch eine ständige Herausforderung, der sich der oder die Einzelne stellen muss.

Diese gravierenden Umbrüche stellen im besonderen Maße offene, liberale demokratische Gesellschaften auf die Probe. Fragen nach oder betreffend Identität und (traditionellen) Werten werden lauter, viele sehen diese bedroht. Sorgen, die von politischen Kräften verstärkt werden, die eine Rückkehr zum Nationalstaat forcieren und Gegenmodelle zum liberaldemokratischen System in den Raum stellen.

Mittel- und Osteuropa ist von diesen Tendenzen in besonderem Maße betroffen. Und auch in Österreich fanden sie – etwa durch das zeitweise Erstarken der Freiheitlichen Partei bis Mitte 2019 – eine einflussreiche Vertretung.

Eine breit angelegte Untersuchung des slowakischen Think Tanks GLOBSEC (www.globsec.org) gibt einen umfassenden Einblick, wie die Bevölkerung in zehn mittel- und osteuropäischen Ländern mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden ist, wie sehr politischen AkteurInnen und Medien vertraut, wer als Bedrohung für Werte und Identität angesehen und welchen politischen Erzählungen und (Verschwörungs-)Theorien Glauben geschenkt wird.

Im Rahmen des Projekts, an dem die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) als österreichischer Partner beteiligt war, wurde das Meinungsbild in Österreich, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn erhoben. Die Umfragen wurden im März 2020 in den Ländern durchgeführt und umfassten ein Sample von jeweils 1.000 bis 1.047 Befragten (Computer assisted personal interviewing (CAPI) oder computer-assisted telephone interviewing (CATI), repräsentativ für die jeweilige Bevölkerung (Gewichtung nach Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnort und -größe).